Mit Pflanzen färben

Über das Wochenende 31.5./01.06.2008 war es wieder mal soweit: Der Workshop "Mit Pflanzen färben" hat in Elsarn statt gefunden. Wieder einmal deswegen, weil ich bereits einen im Oktober 2006 besucht habe und damals schon sehr begeistert war.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
  1. Das Thema an sich ist hochinteressant und äußerst spannend – man weiß nie, welche Farben man erzielen wird.
  2. Endlich wieder mal raus aus Wien in eine schöne und irgendwie erdende Gegend.
  3. Die Kursleiterin kann Hektik wohl nicht ausstehen. Und das ist gut so, denn dadurch schafft man es auch selbst, wieder etwas ruhiger zu werden.
Gefährlich ist es, etwas Schönes wiederholen zu wollen. Oft wird man ob seiner eigenen Erwartungshaltung von der Wiederholung enttäuscht. Manchesmal passiert es aber auch, dass die eigene Erwartung übertroffen wird und man läuft dann Gefahr, wirklich zum Wiederholungstäter zu werden. Das trifft auf die Workshops am Germanischen Gehöft in Elsarn zu. Zumindest für mich.

Aber nun zu den Workshop-Inhalten:
Gefärbt wurde mit Kastanie (beige/caramel bis sonnengelb), Birke (pastellgrün bis leicht grünstichiges, kräftiges gelb), Brennnessel [neue Rechtschreibregeln: leider schreibt man dieses Wort wirklich mit 3(!) "n"] (pastellgrün), Zwiebel (verschiedene Orangetöne) und Nussblätter (von olivbraun – also ein braun mit leichtem Grünstich – bis dunkelbraun).
Die Ergebnisse hängen ab von verwendetem Material, ob es mit Alaun gebeizt wurde oder nicht (max. 20% Alaun auf das Textilgewicht – max. 1 Stunde köcheln lassen) – wenn die Fasern vorher gebeizt wurden, nehmen sie die Farbstoffe besser an –, Menge der Pflanzen (mindestens das selbe Gewicht wie die Textilien haben), Dauer des Färbevorgangs und ob es im ersten, zweiten oder – manchmal möglich – 3. Küpe (so nennt man das Färbebad) lag.
Nach dem Färbevorgang wurde das gefärbte Material getrocknet (möglichst im Schatten), gespült und mit Essigwasser fixiert.

Und nun ein paar Bilder:


Die Materialien werden mit Alaun eine Stunde lang gebeizt.

Die erste Färbung haben wir mit Kastanienblättern durchgeführt.

Mit Brennnesseln kann man nicht nur färben – sie schmecken auch gut!

Auch der Tee wächst in der Umgebung: Brennnesselblätter, Brombeerblätter, Pfefferminze und Holunderblüten

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Der Wickelrock aus Baumwolle wurde mit Kastanienblättern gefärbt und hat zur Überraschung aller ein wunderschönes sonnenblumengelb bekommen. Der Rock wurde vorher kalt mit Soda kurz durchgewaschen und dann gebeizt bevor er gefärbt wurde. Normalerweise färben Kastanienblätter eher so beige/caramel/hautfarben ... schwer zu definieren.

v.l.n.r.: Wolle mit Kastanie (2. Färbung über Nacht), Wolle mit braunen Zwiebelschalen (2. Färbung – 2 – 3 Stunden), Seidengarn mit
Kastanie (1. Färbung – 1 Stunde), Seidengarn mit Brennnessel (1. Färbung – 1 Stunde), Seidengarn mit Nussblättern (1. Färbung - 2-3 Stunden), Seidengarn mit Birke (2. Färbung – 1 – 2 Stunden), Baumwollfleckerl mit Kastanie (4. Färbung über Nacht) und danach mit Nussblättern überfärbt (2. Färbung ca. 2 Stunden).
Alle Materialien außer dem Baumwollfleckerl wurden mit Alaun gebeizt.

Hier gibt's noch weitere Färbungen, wo ich leider nur bei wenigen Sachen sagen kann, was es war:
v.l.n.r.: Wollflies (ich glaub, dass ist überhaupt nicht gefärbt worden), ein Leiberl mit Kastanienblättern gefärbt, ein Wickelrock, der mehrmals überfärbt wurde (rot: Krappwurzel, ganz zum Schluss Nussblätter – was dazwischen war, weiß ich nicht), ein Häkeltuch/-schal 2x mit braunen Zwiebelschalen gefärbt, ein weiteres Leiberl(?), ein Stoffring aus ??? mit allen Farben dieses Wochenendes gefärbt, ein Leiberl mit Zwiebel gefärbt, ein Wollflies möglicherweise mit Brennnessel gefärbt, ein Wollflies mit Birke gefärbt, ein Wollflies mit möglicherweise Birke gefärbt, aber wenn das stimmt, ist dieses Flies vorher nicht gebeizt worden.

Jedenfalls haben wir an diesem Wochenende jede Menge Gelbtöne, aber auch ein wunderschönes Dunkelbraun (Nussblätter auf gebeizter Wolle – leider hab ich kein Foto) gefärbt und sind mit sehr viel Material wieder nach Hause gefahren.

Hier noch ein paar Randinformationen:
Übernachten kann man dort mit eigenem Schlafsack o.ä. im Haupthaus des Germanischen Gehöfts. Entweder man versorgt sich selbst mit lagerfeuertauglichen Lebensmitteln bzw. Rohkost oder aber man nützt die Kantine, die neben diversen anderen Schmankerln einen wunderbaren "Germanentoast" anbietet – eigentlich ein ganz normaler Schwarzbrottoast mit Speck, Paradeiser, Käse + Karottensalat – aber seeeehr lecker!
Sanitäre Anlagen sind ebenfalls vorhanden – nur des Nächtens muss man sich mit den dort ansässigen Brennnesseln arrangieren ;-)

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